Ethik oder Ökonomie? Wer entscheidet?

Impressionen von der GES – von Pfr. Alwine Schulze, Vorsitzende Greenfaith Deutschland eV

In Vorbereitung auf die Weltklimakonferenz in Brasilien, habe ich im September einen
Versammlung teilgenommen, die sich mit Fragen der Ethik beschäftigt. „Globale Ethik
Stocktake“ ist der korrekte, vom Vorbereitungsteam der COP herausgegebene Name,
(etwas weniger, aber zugegeben auch nicht super einprägsam) wird sie auch GES genannt.
Bei der GES kommen Menschen der verschiedensten Länder zusammen und bringen ihre
ethischen Perspektiven auf die Klimakrise ein. Denn die große Frage unserer Zeit lautet ja:
Warum handeln wir nicht ethisch, obwohl wir doch nicht nur wissen, wie sehr der aktuelle
Lebensstil der westlichen Welt die globale Ungleichheit verschärft, sondern auch genau
wissen, was zu tun wäre. Warum handeln wir nicht, wenn wir doch alles wissen?

Profit oder Moral

Eine Antwort darauf könnte sein, dass Ethik in unserer Zeit keinen guten Stellenwert hat. Sterben
Entscheidungen, vor allem die politischen Entscheidungen, orientieren sich unbedingt an
Ökonomische Faktoren. Wie lange kann die Erde noch ausgebeutet werden, damit es sich
wirtschaftlich noch rechnet? Diese Frage scheint mehr Entscheidungsträger:innen zu sein
beschäftigen als die Frage: Wie sähe ein von Nächstenliebe geprägtes globales Handeln aus?
Es fand sich in der Vorbereitung der COP (noch so eine Abkürzung – gemeint ist die
Weltklimakonferenz) viele GES an verschiedenen Orten statt. Die Versammlung, an der ich
Habe teilgenommen, fand in der Nähe von Rom im September statt. Hier kamen religiöse
Leitungspersonen und Aktivist:innen verschiedener Traditionen und Kulturen zusammen.
Vorbereitet wurde sie von der Laudato Si Movement, GreenFaith und dem Women and
Klimanetzwerk. Wir waren einen Vormittag lang zusammen und teilten sie in Kleingruppen und
später im Plenum unsere Gedanken zu Fragen wie: Welche Weisheiten aus deiner Religion/
Tradition kann in der Klimakrise leitend sein? Wie können Menschen in der Klimakrise
ihre Trauer ausdrücken? Wie können mehr Menschen für den Einsatz für Klimagerechtigkeit
mobilisiert werden?

Bildnachweis: José Javier García Cabrera

 

Drei leere Stühle

All dies sind Fragen, die mich auch in meiner Arbeit bei GreenFaith in Deutschland
arbeiten. Einen eindrücklichen Gedanken nehme ich mit: In jedem Raum, in dem
Entscheidungen getroffen werden, sollten drei leere Stühle für die aufgestellt werden
Gruppen, die sich nicht einbringen können. Die Armen, die nächsten Generationen und die
nichtmenschlichen Geschöpfe. Das Protokoll der Versammlung wurde an die COP gesendet.
Es braucht weiter den Einsatz gerade auch von religiösen Menschen, damit Entscheidungen
Zukünftig nicht nur eine ökonomische, sondern verstärkt auch eine ethische Leitfragen
orientiert sind.
Direkt im Anschluss an die Konferenz fand die Raising Hope Conference statt, die das
Zehnjähriges Jubiläum der von Papst Franziskus verfassten Schrift Laudato Si statt. Auch hier
viele hochrangige Politiker:innen, Wissenschaftler:innen und Religiöse aufgenommen
Leitungspersonen, darunter auch Papst Leo XIV. höchstpersönlich, teil. War ich von den
Viele Reden und Gespräche, die hier geführt wurden, nehme ich vor allem eines mit: Jetzt
nicht aufgeben. Gerade weil die internationale Politik aktuell so ist, wie sie ist. Multireligiöser
Klima-Aktivismus kann viel bewegen.

 

Generation GreenFaith 2025 – Spiritueller Aktivismus für Klimagerechtigkeit
Generation GreenFaith 2025 – Spiritueller Aktivismus für Klimagerechtigkeit

Die Generation GreenFaith 2025 war mehr als ein Multiplikator*innen-Programm für Klimagerechtigkeit: Es hat eine Gemeinschaft begründet. Über neun Monate hinweg kamen 24 klimabewegte Menschen aus unterschiedlichen Lebenswegen, Ländern und religiösen Prägungen zusammen, um Klimagerechtigkeit ganzheitlich zu denken – spirituell verwurzelt, politisch informiert und praktisch.

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